Stellungnahme zum Entwurf des Schulentwicklungsplanes der Schulbehörde

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Anträge Stellungnahme zum Entwurf des Schulentwicklungsplanes der Schulbehörde

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Stellungnahme zum SEPL-Entwurf 2019 für die staatlichen Grundschulen, Stadtteilschulen und Gymnasien.

Die Fraktion Die Linke in der Bezirksversammlung Wandsbek begrüßt, dass nach langem Drängen die Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) endlich die Initiative für einen neuen Schulentwicklungsplan (SEPL) angestoßen hat.
Die Aufgaben, die das Hamburger Schulwesen in den kommenden zehn Jahren vor sich hat sind in vielen Regionen enorm: eine hohe Zunahme der Schülerinnen und Schüler, damit verbunden Integration und Inklusion, die fast ausschließlich von den Grund- und Stadtteilschulen geleistet werden. Guter Ganztag und Gute Inklusion, beides Beschlüsse der Bürgerschaft, werden dabei im Entwurf außen vor gelassen. Die Planungsstände für Integration und Inklusion der jeweiligen Schulformen werden im SEPL nicht genannt. Des Weiteren sind die Wohnungsbaumaßnahmen z. B. in den Walddörfern größer als im SEPL konzipiert. Und über Personalressourcen findet sich kein Hinweis im SEPL.

Wichtig wäre hier, um eine wirkliche Entwicklung auch in qualitativer Hinsicht, voranzubringen, die Regionalen Bildungskonferenzen zu aktivieren, um alle betreffenden Bildungsakteure und -akteurinnen vor Ort in eine transparente Planung einzubinden. Um diesen Prozess den Anforderungen angemessen zu gestalten, wäre eine Verlängerung der Fristen auf sechs Monate erforderlich.

Leider bildet die schulische Bildung in Hamburg die tiefe soziale Spaltung der ungleichsten Stadt der Bundesrepublik ab. Dies zeigt sich auch im Bezirk Wandsbek. Die Maßnahmen des Senats zeigen sich bisher als ungeeignet, um der Verwandlung des Zwei-Säulen-Modells in ein Modell der Zwei-Klassen-Beschulung entgegen zu wirken. Besonders die Stadtteilschulen sind strukturell benachteiligt und entsprechend ihren vielfältigen pädagogischen Aufgaben unterfinanziert. Sie leisten die zentralen Aufgaben von Integration und Inklusion und fördern die Bildung vor allem sozial belasteter Schüler*innen. Der jetzige SEPL-Entwurf stärkt die Gymnasien und verstärkt in Fragen der Schulform nur das bestehende Ungleichgewicht. Ca. 39 Klassen (6,5 Züge x 6 Jahrgänge) aus Steilshoop werden zurzeit an weiterführenden Schulen in anderen Stadtteilen beschult, ohne dass es pädagogisch sinnvoll erscheint, weil sowohl die Übergangszahlen in Ausbildung als auch der Sozialindex an den benachbarten Schulen in Barmbek und Bramfeld vergleichbar sind. Laut SEPL sollen innerhalb der nächsten 11 Jahre in Steilshoop 12 Züge von Klassen zur Grundschule gehen und nur 3 Züge an einer weiterführenden Schule in Steilshoop bleiben. Was dann dazu führt, dass es hier keine gymnasiale Oberstufe gibt. Und es bedeutet, dass neun Züge von Klassen aus Steilshoop abwandern sollen. Hier fehlt es an geeigneten Maßnahmen.

Zugleich führt der SEPL flächendeckend ein neues Schulmodell ein, die sogenannte Campus-Schule oder Campus-Stadtteilschule. Diese Schulform kann nur als Konkurrenz zu den bestehenden Stadtteilschulen gewertet werden. Zudem haben sie kein tragfähiges oder transparentes Konzept. Dieses Schulmodell lehnen wir ab.

Schulentwicklung bedeutet für uns nicht nur gemäß Schulgesetz den quantitativen Zuwächsen nachzukommen. Das Gelingen schulischer Bildung hängt wesentlich von qualitativen Aspekten ab. Diese werden in keiner Weise im SEPL berücksichtigt, müssten jedoch seinen Kern stellen. Qualitative Aspekte wären beispielsweise die Vielseitigkeit im schulischen Ganztag, pädagogische Arbeit an den Erfordernissen der Schüler*innen und die Beziehungsarbeit, sowohl zwischen den Pädagog*innen wie zwischen Pädagagog*innen und Schüler*innen.
Um solch eine qualitative Arbeit zu gewährleisten, fordern wir eine Begrenzung der Zügigkeiten auf vier Züge in der Primarstufe und sechs Züge in der Sekundarstufe I und II. Auch sollte der Senat Ausgründungen von Schulen als probates Mittel der Vergrößerung nutzen, anstatt wahllos zu verdichten.

Wenn diese basalen Grundlagen das Fundament des SEPL bilden, dann wären wir in der Lage, angemessen über die nötige Planung der Entwicklung schulischer Bildung in unseren Bezirken zu sprechen.

Hamburg 21.08.2019

Anke Ehlers

Fraktionsvorsitzende

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