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Sabine Muhl (Foto: Linksfraktion Wandbsek)
Sabine Muhl (Foto: Linksfraktion Wandbsek)

Rede: „Denkmalschutz in Wandsbek“ bei der Bezirksversammlung am 10.9.2020

Im folgenden ist die Rede unserer Fraktionsabgeordneten Sabine Muhl zum Tagesordnungspunkt 4.2 "Denkmalschutz in Wandsbek " ein Debattenantrag von der Fraktionen Die Grünen und SPD bei der Bezirksversammlung am 10. September 2020 im Ganzen zu lesen.

 

Das Protokoll der Bezirksversammlung und auch zum zugehörigen Debattenantrag ist hier  zu lesen.

 

Rede von Sabine Muhl:

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste,

bevor ich mich dem Thema des Debattenantrags widme, möchte ich mich kurz vorstellen,
mein Name ist Sabine Muhl, ich wohne in Berne, und arbeite als Verlegerin und
Übersetzerin für Leichte Sprache. Ich bin kürzlich als Nachrückerin für Frau Störig in die
Linksfraktion eingezogen.

Wenn ich heute relativ schnell nach meinem ersten Redebeitrag den Saal verlasse, hat das
nichts mit dieser Versammlung zu tun, sondern familiäre Gründe. Ich bitte um Verständnis.


Zum Thema:
Wir LINKE begrüßen den heutigen Debattenantrag von SPD/Grüne zum Thema
„Denkmalschutz in Wandsbek“. Wir finden ihn grundsätzlich unterstützenswert. Vermutlich
ist für alle Beteiligten ein großer Erkenntnisgewinn damit verbunden und wir lernen mehr
über einen sinnvollen Umgang mit wertvollen historischen Bauwerken.

Die Beschäftigung mit Geschichte, seien es historische Denkmäler in Form von – wie hier –
Gebäuden oder Gebäudeansammlungen oder auch Statuen oder Plätzen oder auch „nur“
Straßennamen ist kein statischer, sondern ein dynamischer Prozess, der auch immer in den
zeitgenössischen und aktuellen Meinungsbildungsprozessen den gemeinhin als „Zeitgeist“
benannten Umgang mit prägenden Menschen oder deren Schöpfung widerspiegelt.

Aber, und hier kommt die erste Einschränkung. Leider liegt die Entscheidung, ob und
welches Gebäude erhaltenswert ist, auf Landesebene, bei der Kulturbehörde. Und wie so
oft sitzen mehrere Interessengruppen mit am Tisch, wie beispielsweise die Immobilienwirt-
schaft. Die ist ja bekanntermaßen nicht gemeinnützig orientiert. Eher das Gegenteil. Es
geht um Profite. Und auch der Senat hat seine Zielvorgaben für den Wohnungsbau im
Blick und muss 10.000 Wohneinheiten „liefern“, die nebenbei bemerkt, den tatsächlichen
Bedarf nicht decken, schon gar nicht im Bereich sozialer Wohnungsbau.
Beim Denkmal ist sicher ein runder Tisch, ein großer runder Tisch sinnvoll, an dem auch
Vertreter*innen aus z.B. der Stiftung Denkmalpflege teilnehmen, z.B. die amtierende
Geschäftsführerin Irina von Jagow. Oder auch eine Expertin vom Denkmalrat, dem Beirat
des Denkmalschutzamtes.

Als konkrete Beispiele in Wandsbek möchte ich exemplarisch 2 Objekte herausstellen. Da
ist zum einen das HEW-Schulungszentrum, Details sind nachzulesen auf der Seite des
denkmalverein.de. Hier wäre der Erhalt resp. die Entwicklung im Bestand sowohl aus
denkmalpolitischer Sicht als auch aus ökologischen Gründen sinnvoll gewesen. Aus Fehlern
wird man klug, sagt der Volksmund. Vielleicht besteht noch Hoffnung für die Gebäude am
Borchertring, die nach dem Wunsch der rot-grünen Koalition Bekanntschaft mit der Abriss-
birne machen sollen. Aber, es macht Sinn, nochmal genauer hinzuschauen, ob dieser für
Hamburg einmalige, sog. Doppel-H-Bau, mit diesem Alleinstellungsmerkmal nicht doch für
eine Nachnutzung in Frage kommt. Keinen Abrissbagger bestellen, sondern mit den
Steilshooper Gremien ins Gespräch kommen. Ein Planungsstopp auf den Flächen
Borchertring/Fritz-Flinte-Ring, wo bisher der Neubau von SAGA-Systemhäusern geplant ist.

Insgesamt wünschen wir uns – und vermutlich gibt es darüber einen interfraktionellen
Konsens: Wir im Quartier sind die Experten und wir wünschen uns, oder besser noch wir
fordern mehr Mitspracherecht für die Bezirke. Um es auf einen Satz zu reduzieren:
Wir fordern mehr Machtfülle für die Bezirksversammlungen.

Vielen Dank.

Es gilt das gesprochene Wort.